Schonkost für Katzen
Deine Katze hat gestern zweimal erbrochen. Heute liegt sie auf der Decke, rührt ihr Futter kaum an – und du fragst dich: Was stelle ich ihr jetzt hin, ohne dass es alles nur schlimmer macht? An diesem Punkt kommt fast jede:r Katzenhalter:in irgendwann an. Und genau dann fällt der Begriff Schonkost.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, was Schonkost eigentlich ist, wann sie sinnvoll ist und wo ihre Grenzen liegen – inklusive zwei konkreter Rezepte, die du im Ernstfall direkt umsetzen kannst.
Was Schonkost eigentlich ist – und was sie leistet
Schonkost ist eine Fütterung, die so zusammengestellt ist, dass Magen und Darm möglichst wenig arbeiten müssen. Sie ist leicht verdaulich, meist gegart und wird in kleinen Portionen über den Tag verteilt.
Sie kommt zum Einsatz, wenn der Magen-Darm-Trakt aus dem Takt ist – etwa bei Durchfall, Erbrechen oder rund um Erkrankungen der Verdauungsorgane.
Wichtig zu wissen: Schonkost ist in der Regel nicht ausgewogen. Sie ist ein Werkzeug für eine begrenzte Zeit, kein Dauerfutter. Wenn eine Katze länger als ein paar Tage darauf angewiesen ist, brauchen wir individuelle Anpassungen.
Wann Schonkost sinnvoll ist
Typische Situationen, in denen Schonkost zum Thema wird:
- Durchfall oder weicher Kot über mehrere Tage
- Erbrechen ohne klaren Auslöser
- rund um Erkrankungen wie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung
- nach Fastenphasen, Medikamentengabe oder OPs, wenn der Darm sich wieder einlaufen soll
Schonkost ersetzt dabei keine tierärztliche Abklärung – sie überbrückt eine akute Phase.
Wichtig: Wenn deine Katze einen Tag lang nicht oder kaum frisst, gehört sie zum Tierarzt. Bei Kitten, alten oder vorerkrankten Katzen früher. Nicht fressende Katzen sind ein Notfall – Stichwort hepatische Lipidose.
Woraus Schonkost besteht
Die Basis ist mageres, bindegewebsarmes Fleisch – zum Beispiel Hühnerbrust, Putenbrust oder mageres Rindfleisch. Grundsätzlich kann jede Tierart verwendet werden, die deine Katze verträgt.
Dazu kommt ein kleiner Anteil leicht verdauliches Gemüse – meist Karotte oder Kürbis, alternativ Zucchini. Beides wird gegart und zimmer- bis körperwarm angeboten.
Nicht in die Schonkost gehören:
- Kohlenhydrate (Kartoffeln, Reis)
- Getreide (Haferflocken)
- Milchprodukte (Quark, Hüttenkäse)
Katzen brauchen sie nicht – und dem Magen-Darm-Trakt helfen sie in dieser Situation nicht weiter.

Opferprotein bei starkem Durchfall oder Allergieneigung
Bei starkem Durchfall oder Katzen mit Allergieneigung ist ein sogenanntes Opferprotein eine Überlegung wert. Der Hintergrund: Während eines Durchfalls ist die Darmbarriere gelockert, größere Eiweißmoleküle können sie passieren. Der Körper kann sie im Zweifel als „fremd“ einstufen und darauf reagieren.
Ein Opferprotein ist eine Fleischsorte, die deine Katze normalerweise nicht bekommt – Schwein zum Beispiel. So bleibt das gewohnte Protein für die spätere Fütterung „unbelastet“. Schwein ist zusätzlich gut verfügbar (Supermarkt, Metzger) und durchgegart unproblematisch.
Wie du Schonkost zubereitest
- Fleisch: einmal durchgaren, bis es innen nicht mehr roh ist – nicht länger.
- Gemüse: weich kochen. Ausnahme: Karotten für die Morosuppe (dazu gleich).
- Portionen: klein, dafür häufig – 5–8 kleine Mahlzeiten am Tag sind besser als zwei große.
- Temperatur: zimmer- bis körperwarm servieren, nie direkt aus dem Kühlschrank.
- Würze: maximal eine Prise Salz, sonst keine Gewürze.
- Konsistenz: stückig oder gewolft – je nachdem, was deine Katze besser annimmt.
Zwei Rezepte für den Ernstfall
Rezept 1: Die Morosuppe
Die Morosuppe geht auf den Kinderarzt Ernst Moro Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Durch das lange Kochen entstehen aus den Karotten bestimmte Zuckermoleküle (Oligogalakturonsäuren), die im Darm mit Bakterien-Rezeptoren wechselwirken. Traditionell wird sie deshalb rund um Durchfall besprochen.
Grundrezept:
- 500 g geschälte Karotten
- 1 l Wasser
- 60–90 Minuten (oder länger) kochen, danach pürieren
- mit Wasser wieder auf 1 l auffüllen
- optional eine Prise Salz
Wichtig für Katzen: Morosuppe wird bei Katzen immer mit gekochtem, magerem Fleisch kombiniert. Zum einen aus Akzeptanzgründen, zum anderen brauchen Katzen tierisches Protein – reine Karottensuppe ist kein Katzenfutter.

Rezept 2: Längerfristige Schonkost (ab 3–4 Tagen)
Wenn die Schonkost länger als zwei bis vier Tage laufen muss, ergänzt du ein paar Nährstoffe – vor allem die, die hitzeempfindlich oder für die Katze essenziell sind.
Für 1 kg fertige Ration:
- 950 g bindegewebsarmes Fleisch (Fettgehalt situationsabhängig steigern)
- 50 g gekochtes, weiches Gemüse (Karotte, Kürbis oder Zucchini)
- 2 g Taurin
- 1 Kapsel Vitamin-B-Komplex (z. B. von Pahema)
- 1 ml Lachsöl
- optional 1 ml Dorschlebertran (Vitamin A)
- 9 g Calcium-Citrat oder 5 g Eierschalenmehl
So gehst du vor: Fleisch und Gemüse garen und abkühlen lassen. Die Ergänzungen in etwas Wasser auflösen und unter die abgekühlte Ration mischen – nicht in heißes Fleisch, sonst gehen hitzeempfindliche Vitamine verloren.
Damit sind Taurin, B-Vitamine, Omega-3-Fettsäuren und ggf. Vitamin A abgedeckt. Bei Kitten im Wachstum sorgt Calcium-Citrat oder Eierschalenmehl zusätzlich für das Calcium.
Alternativ arbeitest du mit einem Komplettsupplement wie Felini Complete*. Dann brauchst du die Einzelbestandteile nicht mehr abwiegen, und die Ration ist damit recht ausgewogen – diese Variante kann auch längerfristig gefüttert werden.

Fettgehalt anpassen
Wenn deine Katze das verträgt, kannst du den Fettgehalt schrittweise über einige Tage auf etwa 10 % im Muskelfleisch steigern. Zusätzliches Fett kommt zum Beispiel über Butter, Ghee, ungewürzten Gänse- oder Schweineschmalz oder tierisches Fett. Hier findest du mehr zur Berechnung des Fettgehalts.
Für individuelle Anpassungen ab zwei bis drei Wochen: Rücksprache mit dem Tierarzt oder einer katzenspezialisierten Ernährungsberatung – da unterstütze ich dich gerne.
Wie du Schonkost einführst
Bei einer erwachsenen, sonst gesunden Katze kann eine Fastenphase von etwa 12 Stunden sinnvoll sein – Wasser steht dabei jederzeit zur Verfügung. Danach beginnst du mit einer kleinen Portion Schonkost. Frisst deine Katze das und verträgt es, folgt einige Zeit später die nächste kleine Portion.
Bei Kitten sind maximal vier bis sechs Stunden Fastenphase okay – unter zwölf Wochen bitte gar nicht fasten lassen.
Schonend ist außerdem, das Futter zimmer- bis körperwarm und in möglichst kleinen, dafür möglichst häufigen Portionen anzubieten – so weit es der Alltag zulässt.
Praxistipp: Biete deiner Katze auch im gesunden Zustand hin und wieder Schonkost an – wenn möglich schon als Kitten. So kennt sie Konsistenz und Geschmack, bevor sie krank wird. Das erleichtert dir jede Futterumstellung im Ernstfall spürbar. Nimmt deine Katze das neue Futter im akuten Fall nicht an, hilft es, eine kleine Menge des bekannten Futters oder ein Leckerli oben als Topping aufzulegen – der Geruch macht den Rest.
Fertigfutter als Schonkost-Alternative
Nicht jede Katze frisst selbstgekochte Rationen. Für diesen Fall gibt es reine Ergänzungs-Fleischdosen, die als Schonkost taugen. Cosma Natur Huhn und Almo Nature Huhn* sind Beispiele – die enthaltenen 1–2 % Reis sind dabei kein Problem.
Worauf du achten kannst:
- möglichst offene Deklaration
- hoher Muskelfleischanteil
- Fettgehalt situationsabhängig (bei Bauchspeicheldrüsen-Themen niedriger)
- Feuchtfutter vor Trockenfutter
Auch hier gilt: Ab zwei bis drei Tagen ergänzt du die Dose mit den Bausteinen aus dem längerfristigen Rezept oben.
Häufige Fehler bei der Schonkost
1. Akzeptanz zu spät ernst nehmen
Kennt deine Katze die Schonkost nicht und frisst sie nicht, kann die Umstellung mühsam werden. Wichtig ist erstmal: Hauptsache, deine Katze frisst überhaupt etwas. Frisst sie ihr bekanntes Futter, ist das allemal besser als nichts – die Umstellung machst du dann schrittweise. Frisst sie einen Tag lang gar nichts, muss sie zum Tierarzt. Sonst besteht das Risiko einer hepatischen Lipidose – und damit Lebensgefahr. Erst muss der Grund für die Appetitlosigkeit gefunden werden; oft braucht es begleitend Medikamente gegen Übelkeit, Schmerzen oder zur Appetitanregung.
2. Überfütterung nach Besserung
Wenn der Appetit zurück ist, bleib zunächst bei kleinen Portionen, dafür so häufig wie möglich. Lass ruhig noch ein bis zwei Tage Schonkost dranhängen, auch wenn die Symptome schon weg sind.
3. Zu spät zum Tierarzt
Eine nicht fressende Katze ist ein Notfall. Eine Katze, die wiederholt erbricht – erst recht, wenn das Erbrochene ungewöhnlich riecht oder aussieht –, ebenfalls. Kitten und alte oder vorerkrankte Katzen gehören immer früher vorgestellt als eine gesunde erwachsene Katze. Im Zweifel auch am Wochenende über den Notdienst.
Tipp: In guten Phasen Transportkorbtraining machen – dann fällt der Weg zum Tierarzt im Ernstfall allen leichter.
Wie lange Schonkost – und dann zurück zum gewohnten Futter
Bei einem einfachen Magen-Darm-Infekt kannst du ein bis drei Tage nach Abklingen der Symptome schrittweise auf das gewohnte Futter zurückgehen. Die Morosuppe kannst du in dieser Übergangsphase noch zwei bis drei Tage als Topping dazugeben.
Bei komplizierteren Situationen, chronischen Verläufen oder Vorerkrankungen ist Rücksprache mit Tierarzt oder Ernährungsberatung sinnvoll – das ist keine Fütterung, die du wochenlang auf Verdacht laufen lassen solltest.

Zum Schluss
Fast jede:r Katzenhalter:in kommt früher oder später an den Punkt, an dem Schonkost ein Thema wird. Umso besser, wenn du im Ruhezustand schon einmal geübt hast – kleine Portionen gegartes Fleisch, ein bisschen Karotte oder Kürbis. So kennt deine Katze das im Ernstfall.
Und im Zweifel gilt immer: einmal mehr zum Tierarzt gehen als einmal zu wenig. Schonkost ist ein Werkzeug – sie ersetzt keine tierärztliche Abklärung.
Du möchtest keine neuen Artikel rund um Katzenernährung und -gesundheit verpassen?
Dann melde dich gern für den SchnurrLogic-Newsletter an – du bekommst regelmäßig fundierte Informationen direkt in dein Postfach.
Und wenn deine Katze gerade selbst betroffen ist und du individuelle Unterstützung suchst: In meiner Ernährungs- und Naturheilkunde-Beratung schauen wir gemeinsam, was zu deiner Katze passt – ohne Standardrezepte, mit Blick auf das Gesamtbild.
Mit * gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, bekomme ich eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis nichts. Danke dir!








