BARF nach dem Beutetierprinzip bei Katzen – einfach erklärt
BARF nach dem Beutetierprinzip – verstehen statt nachmachen
„Katzen barfen ist eine Wissenschaft.“
Dieser Satz hält viele Katzenhalter:innen davon ab, sich näher mit der Rohfütterung zu beschäftigen. Dabei zeigt ein Blick auf die Natur etwas ganz anderes: Katzen ernähren sich seit Jahrtausenden selbst – ohne Tabellen, ohne Rechner, ohne Zweifel.
Der Schlüssel liegt im Beutetierprinzip. Es liefert keine starren Regeln, sondern eine logische Orientierung, an der wir uns beim BARF sinnvoll ausrichten können.
Warum das Beutetier das beste Vorbild ist
Eine Katze frisst in freier Natur keine isolierten Nährstoffe, sondern ganze Beutetiere. Ihr Stoffwechsel ist nicht darauf ausgelegt, einzelne Vitamine, Mineralstoffe oder Makronährstoffe getrennt aufzunehmen, sondern immer im natürlichen Verbund.
Ein Beutetier besteht dabei nicht zufällig aus verschiedenen Bestandteilen, sondern immer aus mehreren Komponenten in relativ konstanten Verhältnissen:
- Muskelfleisch mit Fett als Hauptenergie- und Proteinquelle
- Knochen als natürliche Calcium- und Mineralstoffquelle
- Innereien als Lieferanten für Vitamine, Spurenelemente und essenzielle Mikronährstoffe
- Blut als Quelle für Eisen, Natrium und Flüssigkeit
- Magen-Darm-Inhalt bzw. Fell/Federn, die funktionell als Ballaststoffe wirken
Diese Zusammensetzung sorgt dafür, dass sich Nährstoffe gegenseitig ergänzen und der Organismus der Katze sie optimal verwerten kann.
BARF nach dem Beutetierprinzip bedeutet deshalb
nicht, eine Maus oder ein anderes Beutetier exakt zu kopieren.
Es bedeutet, diese
Struktur nachvollziehbar nachzubauen – angepasst an unsere heutigen Möglichkeiten, an verfügbare Fleischsorten und an die Lebensrealität von Hauskatzen.

Die Grundaufteilung beim Beutetierprinzip
Überträgt man das Beutetierprinzip auf die Rohfütterung, ergibt sich eine logische Grundzusammensetzung, die sich in der Praxis bewährt hat:
- ca. 63–80 % Muskelfleisch mit Fett
Muskelfleisch bildet die Basis der Ration. Der enthaltene Fettanteil ist essenziell, da Katzen Fett als wichtige Energiequelle benötigen. Ein zu magerer Fleischanteil führt langfristig zu einem Ungleichgewicht. - ca. 15 % Innereien
Innereien liefern Vitamine und Mineralstoffe in konzentrierter Form.
Bewährt hat sich folgende Aufteilung: - etwa ⅓ Leber, vor allem als Vitamin-A-Quelle
- etwa ⅔ Herz, Niere und Milz, die weitere B-Vitamine, Spurenelemente und Taurin liefern
- 10–15 % Knochen oder eine entsprechende Calciumquelle
Knochen versorgen die Katze mit Calcium und weiteren Mineralstoffen. Wird auf Knochen verzichtet, muss dieser Anteil durch eine geeignete Calciumquelle ersetzt werden, um das Calcium-Phosphor-Verhältnis auszugleichen. - ca. 2 % Fisch oder eine Vitamin-D-Ergänzung
Fisch dient in der BARF-Ration in erster Linie als Vitamin-D-Quelle. Wird kein Fisch gefüttert, muss Vitamin D gezielt ergänzt werden. - ca. 5 % pflanzliche Ballaststoffe
Diese ersetzen funktionell den Magen-Darm-Inhalt und das Fell des Beutetiers. Sie unterstützen die Darmgesundheit und sorgen für eine physiologische Kotkonsistenz.
Die exakte Aufteilung hängt davon ab, ob Knochen und/oder Fisch gefüttert werden. Genau daraus ergeben sich verschiedene sinnvolle Varianten.
Die vier BARF-Varianten nach dem Beutetierprinzip
Je nachdem, ob Knochen und/oder Fisch gefüttert werden, verändert sich die Zusammensetzung der Ration leicht. Alle Varianten folgen derselben Grundlogik – sie unterscheiden sich lediglich darin, wie bestimmte Nährstoffe abgedeckt werden.
🦴 Knochen + 🐟 Fisch
Diese Variante kommt dem natürlichen Beutetier am nächsten, da Knochen Calcium liefern und Fisch zur Vitamin-D-Versorgung beiträgt.
Trotzdem sind auch hier gezielte Ergänzungen notwendig, da Nutztiere nicht mit Wildbeute vergleichbar sind.
🦴 Knochen + kein Fisch
Fehlt der Fisch, fehlt eine relevante natürliche Vitamin-D-Quelle.
Auch wenn Knochen gefüttert werden, muss
Vitamin D zwingend ergänzt werden.
🐟 Fisch, keine Knochen
Ohne Knochen fehlt Calcium.
Eine
externe Calciumquelle ist unbedingt erforderlich, um das Calcium-Phosphor-Verhältnis auszugleichen.
Wie viel Calcium deine Ration konkret benötigt, kannst du einfach mit meinem kostenlosen Calcium-Rechner ermitteln.
Keine Knochen + kein Fisch
Diese Variante ist am stärksten supplementabhängig.
Es fehlen sowohl Vitamin D als auch Calcium. Sie ist möglich, erfordert aber eine besonders sorgfältige Planung.
Einordnung
Keine dieser Varianten ist per se „richtig“ oder „falsch“.
Das Beutetierprinzip ist gerade deshalb so wertvoll, weil es Flexibilität erlaubt, ohne die physiologischen Grundlagen aus den Augen zu verlieren. Es geht nicht darum, eine bestimmte Fütterungsform um jeden Preis umzusetzen, sondern zu verstehen, welche Aufgabe einzelne Komponenten erfüllen.
Mag eine Katze keinen Fisch, lässt sich Vitamin D gezielt ergänzen. Bestehen Sorgen bei der Knochenfütterung, können Knochen durch Muskelfleisch und eine passende Calciumquelle ersetzt werden. Die Struktur bleibt erhalten – auch wenn einzelne Bausteine angepasst werden.
Zentrale Bestandteile des Beutetierprinzips im Überblick
Muskelfleisch mit Fett – die Basis der Ration
Muskelfleisch stellt den größten Anteil der BARF-Ration dar und bildet die energetische Grundlage der Ernährung. Fett ist für Katzen keine Nebensache, sondern eine essenzielle Energiequelle. Ein Fettgehalt von etwa 10–15 % hat sich bewährt.
Abwechslung bei den Tierarten sorgt für unterschiedliche Aminosäure- und Fettsäureprofile und trägt zu einer ausgewogenen Versorgung bei.
Innereien – kleine Mengen, große Bedeutung
Innereien liefern Nährstoffe, die über Muskelfleisch allein nicht ausreichend abgedeckt werden können.
Leber
Die Leber ist die wichtigste Vitamin-A-Quelle in der BARF-Ration. Darüber hinaus liefert sie weitere fettlösliche Vitamine sowie Kupfer und Eisen. Aufgrund ihres hohen Vitamin-A-Gehalts sollte sie
dosiert und regelmäßig, aber nicht übermäßig gefüttert werden. Etwa
⅓ der gesamten Innereienmenge hat sich als sinnvoll erwiesen.
Herz
Auch wenn das Herz anatomisch ein Muskel ist, wird es beim Beutetierprinzip den Innereien zugeordnet. Es liefert unter anderem B-Vitamine, Spurenelemente und ist eine natürliche Taurinquelle. Herz nimmt daher eine
Sonderrolle ein und ist fester Bestandteil der Ration.
Niere und Milz
Niere und Milz ergänzen das Nährstoffprofil der Leber und des Herzens. Sie liefern unter anderem B-Vitamine, Eisen, Selen und weitere Spurenelemente. Gerade diese Vielfalt sorgt dafür, dass die Katze nicht einseitig versorgt wird.
Knochen oder Calciumquelle – Stabilität von innen
Knochen sind im Beutetier die natürliche Quelle für Calcium und weitere Mineralstoffe. Beim BARF werden in der Regel rohe fleischige Knochen (RFK) eingesetzt, die noch einen hohen Fleischanteil besitzen.
Der Knochenanteil liegt beim Beutetierprinzip bei etwa 10–15 % der Gesamtration, davon etwa 2/3 weichere Knochen (Geflügel) und 1/3 härtere Knochen (Knochen vom Säugetier). Diese Menge sorgt für ein physiologisches Calcium-Phosphor-Verhältnis, das für Knochenstoffwechsel, Muskulatur und Nervenfunktion essenziell ist.
Ist eine Knochenfütterung nicht möglich oder gewünscht, muss dieser Anteil durch eine entsprechende Calciumquelle ersetzt werden. Wichtig ist dabei nicht nur die absolute Calciumzufuhr, sondern auch das Verhältnis zu Phosphor aus dem Muskelfleisch.
Fisch oder Vitamin D – ein entscheidender Baustein
Vitamin D spielt eine zentrale Rolle im Calciumstoffwechsel und ist für Katzen essenziell. Anders als viele andere Tiere können Katzen Vitamin D nicht ausreichend über die Haut bilden.
In der BARF-Ration wird Vitamin D häufig über kleine Mengen Fisch abgedeckt. Etwa 2 % Fischanteil haben sich hierbei bewährt. Wird kein Fisch gefüttert, ist eine gezielte Vitamin-D-Ergänzung notwendig, um Mangelzustände zu vermeiden.
Pflanzliche Ballaststoffe – funktionell, nicht ernährungsphysiologisch
Katzen sind keine Pflanzenfresser, dennoch gehören pflanzliche Bestandteile funktionell zum Beutetierprinzip. Sie ersetzen den Magen-Darm-Inhalt sowie Fell oder Federn der Beute.
Mit etwa 5 % pflanzlichen Ballaststoffen wird die Darmtätigkeit unterstützt, die Kotkonsistenz reguliert und die Darmflora positiv beeinflusst. Hier geht es nicht um Nährstoffversorgung, sondern um physiologische Funktion.
Blut – oft vergessen, biologisch logisch
Blut ist ein natürlicher Bestandteil der Beute und liefert vor allem Eisen, Natrium und Flüssigkeit. Gerade bei sehr hellen Fleischsorten kann eine zusätzliche Eisenquelle sinnvoll sein, um die Beutetierzusammensetzung realistischer abzubilden.
Blut kann frisch (50ml/kg Futter) oder in getrockneter Form (8g/kg Futter) ergänzt werden – immer angepasst an die übrige Rationszusammensetzung.
Was immer ergänzt werden muss
Auch wenn sich das BARF am natürlichen Beutetier orientiert, gibt es Nährstoffe, die selbst bei sehr beutetiernaher Fütterung zusätzlich ergänzt werden müssen. Das ist kein Widerspruch zum Beutetierprinzip, sondern eine notwendige Anpassung an unsere heutigen Ausgangsbedingungen und das, was wir nicht füttern können (Schilddrüse für Jod zum Beispiel).
Nutztiere unterscheiden sich in ihrer Nährstoffzusammensetzung deutlich von wildlebenden Beutetieren. Haltung, Fütterung und Zucht haben Einfluss auf Fettgehalt, Mikronährstoffe und Spurenelemente. Um diese Unterschiede auszugleichen, sind gezielte Ergänzungen sinnvoll und notwendig.
Omega-3-Fettsäuren – ein moderner Engpass
Beutetiere liefern von Natur aus relevante Mengen an Omega-3-Fettsäuren. Fleisch aus heutiger Tierhaltung enthält diese Fettsäuren jedoch nur noch in sehr geringen Mengen.
Omega-3-Fettsäuren erfüllen im Körper der Katze wichtige Funktionen:
- Unterstützung von Haut und Fell
- Beteiligung an entzündungsregulierenden Prozessen
- Beitrag zur Zellmembranstabilität
Deshalb gehört eine Omega-3-reiche Ölquelle, z.B. Fisch-, Krill- oder Algenöl, unabhängig von der gewählten BARF-Variante zur Grundsupplementierung. Du kannst 1-2ml Öl pro Kilogramm Futter ergänzen.
Jod – ein Nährstoff, der berechnet werden muss
Jod ist ein essenzieller Bestandteil für die Schilddrüsenfunktion. In der natürlichen Beute ist Jod überwiegend in der Schilddrüse zu finden - diese zu füttern ist weder sicher (Dosierung), noch praktikabel (Kleinstmengen).
Beim BARF fehlt diese natürliche Streuung, weshalb Jod gezielt und kontrolliert ergänzt werden muss. Gleichzeitig reagieren Katzen empfindlich auf Überversorgungen, sodass eine pauschale Dosierung nicht sinnvoll ist.
Statt zu schätzen, sollte die Jodmenge immer berechnet werden – angepasst an:
- das Körpergewicht der Katze
- den individuellen Jodbedarf
- den Jodgehalt der verwendeten Jodquelle
👉 Für eine sichere Umsetzung kannst du hier deinen kostenlosen Jod-Rechner nutzen, mit dem sich die passende Menge einfach ermitteln lässt.
Taurin – essenziell und nicht verhandelbar
Taurin ist für Katzen lebensnotwendig. Sie können es nicht in ausreichender Menge selbst bilden und sind auf eine regelmäßige Zufuhr angewiesen.
Zwar ist in rohem Fleisch grundsätzlich Taurin enthalten, doch:
- Taurin ist wasserlöslich
- es geht teilweise beim Zerkleinern, Wolfen und Auftauen verloren
Da überschüssiges Taurin ausgeschieden wird, während ein Mangel schwerwiegende Folgen haben kann, hat sich eine zusätzliche Gabe von 1-2g pro Kilogramm Futter als Sicherheitspuffer bewährt. Diese Ergänzung ist kein Zeichen von Unsicherheit, sondern von verantwortungsvoller Planung.
Calcium – nur relevant, wenn keine Knochen gefüttert werden
Wird auf Knochen verzichtet, fehlt die natürliche Calciumquelle der Beute. In diesem Fall muss Calcium gezielt ergänzt werden, um das Gleichgewicht zu wahren.
Entscheidend ist dabei nicht nur die absolute Menge, sondern das Verhältnis von Calcium zu Phosphor, das maßgeblich durch den Muskelfleischanteil beeinflusst wird.
👉 Wenn du ohne Knochen fütterst, kannst du mit dem kostenlosen Calcium-Rechner einfach berechnen, wie viel Calcium deine Ration benötigt.
Ergänzen heißt nicht „unnatürlich“
Supplemente stehen oft im Ruf, das BARF kompliziert oder „unnatürlich“ zu machen. Tatsächlich sind sie lediglich ein Werkzeug, um die Lücke zwischen natürlicher Beute und moderner Fütterung zu schließen.
Das Beutetierprinzip bleibt dabei die Grundlage. Ergänzungen sorgen lediglich dafür, dass diese Grundlage auch unter heutigen Bedingungen tragfähig bleibt.
Fazit: Beutetierprinzip heißt verstehen, nicht dogmatisieren
BARF nach dem Beutetierprinzip ist keine starre Anleitung und keine exakte Kopie einer Maus. Es ist ein Denkmodell, das dir hilft, die Ernährung deiner Katze logisch, nachvollziehbar und sicher aufzubauen.
Das Schöne am Beutetierprinzip ist seine Flexibilität. Es gibt einen klaren Rahmen vor, lässt dir aber innerhalb dieses Rahmens Spielraum für individuelle Entscheidungen. Mag deine Katze keinen Fisch, wird die Vitamin-D-Versorgung gezielt über Tropfen ergänzt. Hast du Sorge, Knochen zu füttern, können sie durch Muskelfleisch und eine passende Calciumquelle ersetzt werden. Die Struktur bleibt erhalten – auch wenn einzelne Bausteine angepasst werden.
Genau dieses Verständnis nimmt Druck aus der Fütterung. Du musst nichts „perfekt“ machen oder jede Komponente erzwingen. Wichtig ist, dass du weißt, welche Aufgabe die einzelnen Bestandteile erfüllen und wie sich mögliche Lücken sinnvoll schließen lassen.
So wird BARF nicht kompliziert, sondern logisch.
Und genau das gibt Sicherheit – für dich und für deine Katze.
Denn gesunde Katzen sind kein Zufall.
Sie sind das Ergebnis von Wissen, Logik und bewusster Fürsorge.








