Ein bisschen Übergewicht ist doch nicht schlimm?

Mandy Kneeland

Zuletzt inhaltlich überarbeitet am 19.10.2026

Deine Katze hat über die letzten Monate zugenommen. Beim Streicheln sind die Rippen nicht mehr so leicht zu fühlen, und von oben ist kaum noch eine Taille zu erkennen. Gleichzeitig frisst sie gern und meldet sich zuverlässig, sobald du in Richtung Küche gehst. Braucht sie wirklich weniger Futter – und wenn ja, wie viel?

Übergewicht lässt sich nicht allein an einer Zahl auf der Waage erkennen. Entscheidend sind Körperbau, Fettreserven und Muskulatur. Wenn deine Katze zu viel Körperfett angesetzt hat, lohnt es sich, das gezielt anzugehen. Nicht mit einer Radikaldiät, sondern mit einer passenden Ration und regelmäßigen Kontrollen.

Ist meine Katze zu dick – oder einfach groß?

Eine große, kräftig gebaute Katze kann mehr wiegen als eine kleine Katze und trotzdem normalgewichtig sein. Umgekehrt können auch wenige zusätzliche Hundert Gramm bei einer kleinen Katze ins Gewicht fallen. Eine feste Kilogrenze für alle Katzen ist deshalb wenig hilfreich.

Zur Einschätzung wird der Body Condition Score, kurz BCS, genutzt. Er beschreibt den Körperzustand anhand sichtbarer und tastbarer Fettpolster. Für eine erste Orientierung helfen drei Fragen:

  • Rippen: Kannst du sie beim Streichen über den Brustkorb mit leichtem Druck einzeln fühlen, oder liegt eine deutliche Fettschicht darüber?
  • Taille: Ist von oben hinter dem Brustkorb eine Taille erkennbar? Bei langem Fell zählt das Abtasten mehr als der Blick.
  • Bauchbereich: Wie ausgeprägt sind die Fettpolster am Bauch? Beurteile sie zusammen mit Rippen und Taille, nicht als einziges Merkmal.

Lass dir die Einschätzung beim nächsten Tierarzttermin zeigen. Dabei sollte auch die Muskulatur beurteilt werden: Eine Katze kann gleichzeitig zu viel Körperfett und zu wenig Muskelmasse haben. Dann wäre ein niedrigeres Gewicht allein noch kein ausreichendes Ziel.

Body Condition Score bei Katzen: fünf Gewichtskategorien von starkem Untergewicht bis starkem Übergewicht mit Merkmalen zum Anschauen und Abtasten.

Warum Übergewicht mehr ist als eine Frage der Figur

Zusätzliches Körperfett verändert den Stoffwechsel. Übergewichtige Katzen haben unter anderem ein erhöhtes Risiko für Insulinresistenz und Diabetes. Das zusätzliche Gewicht belastet außerdem die Gelenke und kann bestehende Bewegungsprobleme verstärken. Bei starkem Übergewicht fällt manchen Katzen selbst die Fellpflege schwer.


Weniger Bewegung und Gewichtszunahme können sich gegenseitig verstärken: Die Katze bewegt sich ungern, verbraucht weniger Energie und nimmt weiter zu. Dahinter kann aber auch Schmerz stecken. Wenn deine Katze weniger springt oder kaum noch spielt, ist „sie ist eben gemütlich“ deshalb keine ausreichende Erklärung.



Es geht beim Abnehmen nicht um eine möglichst schlanke Silhouette. Es geht darum, unnötige Belastung zu reduzieren und die körperlichen Fähigkeiten deiner Katze zu erhalten.

Wie sich die zusätzlichen Kalorien einschleichen

Eine Katze nimmt zu, wenn sie über längere Zeit mehr Energie aufnimmt, als sie verbraucht. Dafür müssen keine riesigen Portionen im Napf landen: Gerade bei energiedichtem Futter können kleine tägliche Übermengen ausreichen. Nach der Kastration kann außerdem der Energiebedarf sinken, während der Appetit zunimmt. Die bisher passende Futtermenge muss deshalb nicht dauerhaft passen. Auch Stress und manche Medikamente können die Futteraufnahme oder den Energiebedarf beeinflussen.



Nicht immer steckt hinter dem Gang zum Napf Hunger. Gerade Wohnungskatzen, die wenig Gelegenheit zum Spielen, Erkunden und für geistige Beschäftigung haben, können aus Langeweile fressen. Futter wird dann zur Beschäftigung. Hier gehört neben der Ration auch der Alltag auf den Prüfstand.


Auch AYCE („All you can eat“), also Futter ohne Mengenbegrenzung, funktioniert nicht für jede erwachsene Katze. Manche regulieren ihre Futteraufnahme nicht ausreichend und fressen mehr, als ihr Körper benötigt. Dass deine Katze noch fressen möchte, bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sie mehr Energie braucht. Entscheidend sind Körperzustand und Gewichtsverlauf. Mehrere kleine Mahlzeiten sind dabei nicht das Problem: Eine passend bemessene Tagesration kann über den Tag verteilt angeboten werden. Für Kitten im Wachstum gelten andere Anforderungen; daraus lässt sich keine pauschale Mengenbegrenzung für Kitten ableiten.


Dazu kommen oft Extras: ein paar Leckerlis, etwas Schleckpaste oder der Rest aus dem Napf der anderen Katze. Jede einzelne Menge wirkt klein, zählt aber zur gesamten Energieaufnahme.

Der erste praktische Schritt ist deshalb ein Futterprotokoll. Notiere für ein bis zwei Wochen, was deine Katze tatsächlich frisst: Sorte, Menge und sämtliche Extras. Wiege angebotene Portionen und Reste möglichst ab. Halte auch fest, in welchen Situationen sie nach Futter sucht – beispielsweise nach längeren Ruhephasen ohne Beschäftigung. Im Mehrkatzenhaushalt gehört die Frage dazu, wer aus welchem Napf frisst. So wird sichtbar, an welchen Stellen eine Anpassung sinnvoll sein könnte. Das Protokoll ist eine Bestandsaufnahme, noch keine Aufforderung zum Kürzen.

Vor dem Abnehmen: Ausgangslage und Ziel klären

Lass vor einer gezielten Gewichtsreduktion tierärztlich prüfen, wie ausgeprägt das Übergewicht ist und ob Erkrankungen, Schmerzen oder Medikamente berücksichtigt werden müssen. Zur Ausgangslage gehören Gewicht, Körperzustand, Muskulatur und die bisherige Fütterung.


Das Zielgewicht wird aus dem individuellen Körperbau abgeleitet – nicht aus einem pauschalen Rassedurchschnitt. Ein früheres Gewicht kann helfen, wenn deine Katze damals nachweislich in gutem Körperzustand war. Bei starkem Übergewicht sind Zwischenziele sinnvoll; die Einschätzung kann im Verlauf angepasst werden.



Für Kitten im Wachstum, trächtige oder säugende Katzen gelten andere Anforderungen. Die hier beschriebene Gewichtsreduktion ist kein allgemeiner Fütterungsplan für diese Lebensphasen.

Weniger Energie – aber weiterhin ausreichend Nährstoffe

„Dann gibt es ab morgen einfach die Hälfte“ ist keine geeignete Abnehmstrategie. Wenn du ein normales Futter stark reduzierst, sinkt nicht nur die Energiezufuhr. Deine Katze bekommt auch weniger Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. Gerade die Muskulatur soll während der Abnahme möglichst erhalten bleiben.


Die Ration muss deshalb zur geplanten Energiemenge passen und weiterhin bedarfsdeckend sein. Das kann ein dafür geeignetes Alleinfutter sein oder eine individuell berechnete, selbst zusammengestellte Ration. Weder BARF noch Nassfutter sorgen allein dafür, dass eine Katze abnimmt. Entscheidend sind die gesamte Energieaufnahme und die passende Nährstoffversorgung.


Feuchtes Futter enthält häufig weniger Kalorien pro Gramm als Trockenfutter. Dadurch kann eine größere Futterportion bei gleicher Energiemenge möglich sein. Die tatsächlichen Werte unterscheiden sich jedoch zwischen Produkten und Rezepten. „Wenig Fett“ oder „light“ auf der Verpackung ersetzt deshalb keinen Blick auf den Energiegehalt und die Zusammensetzung.


Wie viel Energie dein Fertigfutter liefert und welche Kalorienmenge deine Katze mit ihrer aktuellen Portion aufnimmt, kannst du mit meinem Fertigfutterrechner für Katzen überschlagen. Er ist für gesunde, ausgewachsene Katzen gedacht und dient der Orientierung. Eine individuelle Abnehmplanung oder die Prüfung der vollständigen Nährstoffversorgung ersetzt er nicht.


Die passende Tagesmenge wird individuell festgelegt. Fütterungsempfehlungen auf der Verpackung können Orientierung geben, müssen aber anhand der tatsächlichen Entwicklung überprüft werden. Neue Futtersorten werden schrittweise eingeführt; deine Katze muss sie zuverlässig annehmen.

Portionen so organisieren, dass sie im Alltag funktionieren

Wiege die vereinbarte Tagesration mit einer Küchenwaage ab. Das ist genauer als ein Messbecher oder eine geschätzte Handvoll. Teile die Ration anschließend in mehrere passende Mahlzeiten auf. Ein Futterautomat kann helfen, wenn du tagsüber nicht zu Hause bist.


Leckerlis müssen nicht grundsätzlich verschwinden. Sie gehören aber in die Tagesbilanz. Du kannst beispielsweise einen Teil der passenden Tagesration für Suchspiele oder Training zurücklegen, statt zusätzlich etwas zu geben. Alle Personen im Haushalt sollten wissen, welche Menge vorgesehen ist.


Im Mehrkatzenhaushalt reicht es nicht, insgesamt weniger Futter hinzustellen. Die übergewichtige Katze kann weiterhin die anderen Näpfe leeren, während eine andere Katze zu wenig bekommt. Getrennte Futterplätze, beaufsichtigte Mahlzeiten oder ein chipgesteuerter Futterautomat können hier nützlich sein.



Wenn deine Katze trotz der geplanten Ration ständig nach Futter sucht, prüfe die Situation, statt nur „konsequenter“ zu werden: Passen Futtermenge und Zusammensetzung? Sind die Mahlzeiten sinnvoll verteilt? Fehlt Beschäftigung? Hat sich ihr Verhalten plötzlich verändert? Der Plan muss für deine Katze funktionieren, nicht nur auf dem Papier.

Bewegung: passend zum Körperzustand statt möglichst anstrengend

Bewegung ergänzt die Fütterungsanpassung. Sie ersetzt sie aber nicht. Biete deiner Katze mehrere kurze Gelegenheiten zum Spielen, Suchen und Erkunden, statt sie einmal am Tag lange auszulasten.



Eine Spielangel kann zunächst bodennah geführt werden. Kleine Suchaufgaben und einfach zu bedienende Futterspiele machen einen Teil der Tagesration interessant. Erhöhte Liegeplätze lassen sich bei Bedarf über niedrige Zwischenstufen erreichbar machen.


Bei starkem Übergewicht, Gelenkproblemen oder Schmerzen sind hohe Sprünge kein sinnvoller Einstieg. Lass klären, welche Bewegung möglich ist und ob zunächst eine Schmerzbehandlung nötig ist. Die Schwierigkeit wird an die Fähigkeiten deiner Katze angepasst.

Woran du erkennst, ob der Plan passt

Als Orientierung für eine kontrollierte Gewichtsabnahme dient ein Bereich von etwa 0,5 bis höchstens 1,5 % des Ausgangsgewichts pro Woche. Das Tempo muss dabei nicht jede Woche gleich sein: In einer Woche können es beispielsweise 0,5 %, in der nächsten 1,5 % sein. Bei einer Katze mit 7 kg entspricht dieser Bereich etwa 35 bis maximal 105 g pro Woche. Die Obergrenze ist kein Ziel, das ausgeschöpft werden muss; auch eine langsamere Abnahme kann sinnvoll sein. Entscheidend sind der Verlauf über mehrere Wochen sowie Gesundheitszustand, Futteraufnahme und Muskulatur.


Mit meinem Abnehmplan für Katzen kannst du dir ausgehend vom aktuellen Gewicht und dem eingeschätzten Zielgewicht einen möglichen Gewichtsverlauf berechnen lassen – inklusive Reduktionskurve und Wochentabelle zum Ausdrucken. Die für die Berechnung gewählte Abnahmerate dient nur der Orientierung. Deine Katze muss nicht jede Woche genau diesen Wert erreichen. In der Tabelle kannst du ihre tatsächlichen Wiegewerte festhalten und den Verlauf verfolgen.


Wiege deine Katze dafür möglichst einmal pro Woche unter ähnlichen Bedingungen und auf derselben Waage. Eine geeignete Baby- oder Tierwaage erfasst auch kleinere Gewichtsveränderungen, die auf vielen Personenwaagen kaum zu erkennen sind. Halte neben dem Gewicht auch Veränderungen bei Futteraufnahme, Bewegung und Verhalten fest.

Für die Gewichtskontrolle meiner Katzen nutze ich seit rund zehn Jahren dieselbe Waage. Wenn du noch eine geeignete Waage suchst, kannst du dir das von mir verwendete Modell hier ansehen.


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Bleibt das Gewicht stehen, wird zuerst die tatsächliche Futteraufnahme geprüft. Liegt die wöchentliche Abnahme über der genannten Obergrenze oder baut deine Katze Muskulatur ab, muss die Ration ebenfalls überprüft werden. Nicht nach jeder einzelnen Wägung eigenständig weiter kürzen: Entscheidend sind der Verlauf und der Zustand deiner Katze.

Plane auch nach Erreichen des Zielgewichts weitere Kontrollen ein. Wenn du dann wieder zu den alten Mengen zurückkehrst, kann das Gewicht erneut steigen. Die langfristig passende Ration wird aus dem erreichten Körperzustand und dem weiteren Verlauf abgeleitet.

Wann du nicht bis zur nächsten Gewichtskontrolle wartest

Frisst deine Katze einen Tag lang nicht oder kaum, kontaktiere die Tierarztpraxis – unabhängig vom Abnehmplan. Bei Erbrechen, deutlicher Schwäche, gelblichen Schleimhäuten oder anderen Krankheitszeichen ist eine frühere beziehungsweise sofortige Abklärung nötig. Bei vorerkrankten Katzen sollte die individuelle Schwelle vorab besprochen werden.

Gerade übergewichtige Katzen können bei ausbleibender Futteraufnahme eine hepatische Lipidose entwickeln: Dabei lagert sich Fett in der Leber ab und beeinträchtigt ihre Funktion. Futterverweigerung ist deshalb kein erwünschter Teil einer Gewichtsreduktion. Eine Katze, die abnehmen soll, muss weiterhin zuverlässig fressen.

Fazit: Erst einschätzen, dann gezielt verändern

Übergewicht wird nicht durch eine einzige Futterzutat erklärt und nicht mit einer pauschalen Portionskürzung gelöst. Sinnvoll ist ein Plan, der Körperzustand, bisherige Fütterung, Bewegung und mögliche Erkrankungen zusammenbringt.

Für den Anfang brauchst du vor allem eine verlässliche Ausgangslage: Lass den Körperzustand beurteilen, erfasse die tatsächliche Futteraufnahme und vereinbare eine passende Ration samt Kontrollen. So wird aus „Sie müsste wohl etwas abnehmen“ eine konkrete Vorgehensweise.

Fünf Schritte zum Gewichtsmanagement bei Katzen: Ausgangslage klären, Futter erfassen, Ration planen, Beschäftigung anbieten und Verlauf kontrollieren.

Katzenernährung verstehen statt nur Empfehlungen sammeln

Wie beurteilst du ein Futter? Welche Mengen passen zu deiner Katze? Und welche Empfehlungen sind im Alltag wirklich sinnvoll? Im SchnurrBrief ordne ich Fragen rund um Katzenernährung und Gesundheit ein – fachlich fundiert und mit konkretem Praxisbezug.

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